Morgen Utopie? Zwischen Zweifeln und Träumen
Ein Kipppunkt beschreibt den Moment, in dem ein System aus dem Gleichgewicht gerät – eine Schwelle wird überschritten, und eine tiefgreifende, oft unumkehrbare Veränderung setzt sich in Gang. Ab diesem Punkt ist eine Rückkehr zum vorherigen Zustand nicht mehr möglich.
Unsere Gegenwart ist geprägt von der Gleichzeitigkeit solcher Kipppunkte: Einige Teilsysteme des globalen Klimas haben zum Beispiel kritische Schwellen erreicht oder stehen kurz davor. Wird diese Grenze überschritten, drohen unwiderrufliche Veränderungen. Gleichzeitig erleben wir eine gesellschaftliche und politische Verschiebung: Der weltweite Rechtsruck und das Erstarken autoritärer Kräfte erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer neuen gesellschaftlichen Ordnung, in der menschenverachtende Diskriminierung legitimiert wird und die Bedürfnisse einer überschaubaren Elite im Vordergrund stehen.
Wir fragen uns: Was kommt nach dem Kipppunkt? Es ist beunruhigend, sich eine Welt nach dem Kipppunkt vorzustellen. Doch was wäre, wenn wir den Blick wenden und uns wagen, vorzustellen, dass alles gut ausgeht? Ist die Zukunft ein dystopischer Ort oder gibt es auch Raum für Utopien?
Auch unsere Vergangenheit ist voll von diesen Momenten des Umbruchs. Immer wieder forderten Krisen uns heraus, neue Wege zu gehen, Bewältigungsstrategien zu finden und Verbündete zu suchen. So sehen wir im Bereich des queeren und feministischen Aktivismus neben Rückschlägen auch positive Entwicklungen, beispielsweise mehr Sichtbarkeit und Solidarität, mehr Auseinandersetzung darüber, wie ein inklusives und diskriminierungsfreies Zusammenleben funktionieren kann. Auch im Bereich des Klimaschutzes gibt es nicht nur Frustration, sondern Menschen, die kreative und innovative Pläne für unsere Zukunft schmieden und Prozesse anstoßen.
Was wäre, wenn Kipppunkte nicht nur Momente der Hoffnungslosigkeit darstellen, sondern uns auch gleichzeitig Türen öffnen und gerade im Umsturz das Potenzial liegt, es diesmal besser zu machen?

Im neuen Jahresprogramm „Morgen Utopie? Zwischen Zweifeln und Träumen“ des KUNSTRAUM 53 laden wir ein zu einer künstlerischen Erkundung dessen, was jenseits des Kipppunkts liegt. Wir fragen: Wie sieht eine Welt aus, in der wir uns der Realität entziehen – hinein in fantasievolle, vielleicht absurde Visionen? Welche Formen der Verfremdung und Imagination helfen uns, gegenwärtige Zustände zu hinterfragen, gesellschaftliche Normen zu irritieren und Räume für neue Träume zu schaffen?
In thematischer Fortsetzung des Jahresthemas 2025 Und wenn sie nicht ___ , dann __ : Von Mythen, Narrativen und Konsequenzen wollen wir erforschen, wie neben Angst und Krise auch Freude und Zuversicht Teil unserer Vorstellung von Zukunft sein können.
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Du arbeitest einem Projekt – sei es Ausstellung, Lesung, Workshop, Konzert, Film oder andere kulturelle Veranstaltung – und hast das Gefühl, dass dein Projekt gut in unser Jahresprogramm passen würde? Dann schicke uns gerne eine Anfrage an info@kunstraum.de und erzähle uns von deinem Projektvorhaben.